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Das historische Ortslexikon von Brandenburg aus dem Jahre 1972 berichtet über Kühfort: Erste schriftliche Erwähnung 1680 Kuhe Pfort Gerichtszugehörigkeit: bis 1849 Justizamt Potsdam, 1849-1878 Kreisgericht Potsdam, 1879-1952 Amtsgericht Potsdam Wirtschafts-und Sozialstruktur: 1776 angelegt, 1840: Kolonie,7 Wohnhäuser, 1860: 5 einzelne Gehöfte mit Gasthaus und Forsthaus; 8 Wohnhäuser, 13 Wirtschaftsgebäude. Kirche: Golm Bevölkerung: 1840 = 43, 1858 =61, 1925 = 14 Während im Jahre 1683 der Kuhforter Damm noch von einer „Bauerlake“ gekreuzt wird, einem stark versumpften, unreguliertem breiten Graben, den wir als letzten Rest des Urstromtals der Nuthe ansehen können, ist im Jahre 1774 (Plan von der sogenannten Insel Potsdam...) schon eine gewisse Form zur Kultivierung der höherliegenden Flächen zu erkennen. Auf der Eichener Seite heißt dieser bewaldete versumpfte Geländestreifen „Golm’sche Thiem Lacke“. Mit dem Worte Thiem ist der letzte Golmer Rittergutsbesitzer v. Thümen gemeint. Da wo 1683 noch die „Bornheim’sche New Wiesen“ verzeichnet sind, gibt es keine Flurbezeichnung mehr. Die Radewiesen, ein Name, der auf Rodetätigkeit hinweist, kommen noch auf Karten von 1785, 86 und 1799 vor. Oft wird in Artikeln das Jahr 1774 als das Ansiedlungsjahr für die Hopfengärtner in Kuhfort angegeben. Aber dieses Jahr ist lediglich der erste Zeitpunkt, aus dem man den Willen zur Urbarmachung des Golmer Luchs erkennen kann. Am 12. Juli 1774 richtet sich der Potsdamer „Beamte“ F. W. Hart an die Churmärkische Kriegs- und Domänenkammer, ein für den Aufbau der Hopfengärtnersiedlung sehr interessantes Schreiben. Friedrich II. hat nicht nur in den östlichen Provinzen Projekte zur Urbarmachung ländlicher Flächen durchgeführt - diese auf Staatskosten -, sondern auch in interessanter Nähe, und hier in Kuhfort aus seiner Tasche 3000 Taler zur Verfügung gestellt. Als erste Vorbereitungsmaßnahme erhielt der Ingenieur Leutnant v. Bergen den Auftrag durch Ziehung eines „Haupt-Canals“ das Wasser abzuleiten, „damit man an die Wüstenei aus wilden Gebüsch und Gesträuch“ überhaupt herankönne. Zugleich setzte aber auch die Propaganda unter den Einheimischen der Orte Eiche, Nattwerder, Golm und Grube ein, um ihnen die Urbarmachung der 5600 Morgen großen Luchflächen klar zu legen. Jedoch traf der Kondukteur Becherer auf einen starken Widerstand der Bevölkerung gegenüber einem solchen großen Projekt; es ging sogar soweit, dass der Landmesser nicht einmal Leute für die Vermessungsarbeiten bekam, nicht einmal „vor baare Bezahlung“. Nach dieser schlechten Erfahrung erwartete der Berichterstatter den Befehl eventuell die Amtsuntertanen mit Gewalt heranziehen zu können. Der König hat sich aber durch diese Schwierigkeiten nicht abhalten lassen, den Befehl zu geben, Holz und Kalksteine für den Bau von sechs Hopfengärtnerstellen anzuweisen. Diesem Befehl kam Herr Oberbaurat Seidel schnellstens nach, aber erst im August 1775 erhielt der Landmesser Schröder den Auftrag mit seinem Zeichnungs- und Vermessungsgerät schnellstens nach Golm zu reisen. Inzwischen sollten die Brüder Brunow und Häuser aus Golm den Hopfengärtnern Holz fahren. Nachdem 1777 die alten Hütungsgewohnheiten mit einem Rezess neu geregelt worden waren, konnte 1778 endlich mit dem Bau der ersten „Häuser“ begonnen werden. Uns liegt eine Skizze vor, wie diese Häuser ausgesehen haben. Nach der Beschreibung aus den Generalpachten waren es drei Doppelhäuser. Ein solches Doppelhaus hatte in der Mitte zwei Kammern und außen zwei Kuhställe. Der Gesamtgrundriss hatte eine Größe von ca. 6,0 x 10,0 m. In den beiden Kammern von je 2,0 x 6,0 m musste also eine Familie wohnen, kochen und schlafen. Es ist jedoch zu vermuten, dass sie Hopfengärtner damit nicht zufrieden waren, und sich als durch eigene Arbeitsleistungen ihre Häuser und Höfe vergrößert haben. Das erste Doppelhaus entstand „ohnweit Entenfang“. Gemeint ist die Stelle, auf der heute noch der Gasthof nebst Nachbar ihre Grundstücke bewirtschaften. Das zweite Doppelhaus entstand „ an der Eichener Seite“ des Kuhforter Dammes, und das dritte Doppelhaus hatte seinen Platz „ auf der Golmer Seite“ des Dammes. Die letzteren beiden Doppelhäuser lagen 100 bzw. 120m vom Damm entfernt. Zwei weitere Häuser lagen noch „hinter dem Neuen Palais“, die aber dann einwandfrei auf Eichener Gebiet lagen. „In den vierziger Jahren gab es zwei Buslinien von Potsdam über Kuhfort: Die Kraftpost, genannt das Postauto und die Linie zur Luftkriegsschule, den Wehrmachtsbus. Als Schüler konnte ich also wählen , der Wehrmachtsbus setzte mich sogar vor der Haustür ab, aber das Postauto hielt vor dem damaligen „Parkrestaurant“. Dort erwartete mich, hinter dem Tresen sitzend, der dicke Wirt Valentin Kempinski. Er trug einen nicht mehr sehr neuen schwarzen Anzug, an der Weste baumelte die goldene Kette der Sprungdeckeluhr. Sein Mittagessen nahm er regelmäßig an diesem Tresen ein, die Nachspeise aber verschmähte er und so genoß häufig ich die mir großzügig überlassenen Köstlichkeiten wie Schokoladenpudding oder Rote Grütze mit Vanillesoße. Das Gehöft war zu jener Zeit noch ein richtiger Wirtschaftshof, so ähnlich wie ihn Persius 1844 als Meierei gegenüber dem Forsthaus erwähnte. Das Wirtshaus mit dem angebauten Tanzsaal war durch einen Torbogen im Tudorstil mit dem massiven Stallgebäude verbunden. Auf dem Hof fiel besonders die gemauerte Waschküche mit dem schlanken achteckigen Schornstein aus kleinen holländischen Ziegeln auf. Was war das am Waschtag, es war wohl der Donnerstag, für ein Leben und Treiben, wenn die Waschfrauen, unter ihnen in führender Position die Ostpreußin Lisbeth Großmann, in Dampfschwaden um den riesigen Waschkessel hantierten und Lisbeth ihr Lieblingslied „Änchen von Tharau“ weithin über Kuhfort erschallen ließ. Als Kühlhaus diente ein Eiskeller aus dicken Klinkermauern und mit Grassoden zusätzlich isoliert. Mit einem schon damals uralten, aber offenbar unverwüstlichen Automobil wurde er im Sommer von der Firma „Eisfix“ aus Babelsberg mit Stangeneis kühl gehalten. Hinter dem 2. Tanzsaal steht noch heute das später gebaute sogenannte „Familienhaus“, dessen Mieteinkünfte dem Wirt auch in der gästearmen Zeit eine Sicherheit boten. Daran schließt sich die damals unvermeidliche Kegelbahn an, die ich aber nur als Abstellraum der Familienbewohner kenne. Auf dem Nachbargrundstück hatte sich das kinderlose Kaufmannsehepaar Hansel um 1930 ein kleines Wohnhaus errichtet. Beide korpulent, strahlten sie auf mich immer eine besondere Freundlichkeit aus, wenn ich ihnen auf ihrem von wunderschönen Rosen eingefaßten Gartenweg begegnete.“ Auch wenn in Berlin ein berühmtes Hotel den Namen Kempinski trägt, ist der damalige Besitzer des Parkrestaurant „Kuhfort“ ein anderer, nämlich Valentin Kempinski. Valentin ist 1880 in Pawlow Kreis Pleschen geboren . Sein Vater Josepf und die Mutter Rosalie wohnten 1908 in Ostrowo. Valentin heiratete 1908 in Charlottenburg Emma Cohrs, mit der er bis zu seinem Tode 1943 verheiratet war. Die drei Kinder sind alle in Potsdam geboren worden. (1908 Margarete,1909 Edith, 1911 Fritz Walter) Im Adressbuch 1919 steht noch Gärtner und Gastwirt Emil Kösling. Am 15.Oktober 1919 ist die Gewerbe-Erlaubnisurkunde für den Schankwirt Valentin Kempinski im Kreisausschuß des Kreises Osthavelland in Nauen ausgestellt worden. Im Adressbuch 1922 ist er als Restaurateur (er führte ein Restaurant) verzeichnet. Kempinski baute 1926 das Wohnhaus. Nach dem Tode von Valentin führte seine Frau Emma die Wirtschaft weiter. Emma Kempinski lebte bis 1946 in Kuhfort und vererbte den beiden Töchtern das Grundstück. Später waren die Brüder Lauterbach Eigentümer. Nach dem Tode von Frau Kempinski wechselten die Nutzer ständig. Nach dem Ende des Krieges etablierte sich die Sowjetarmee im Gehöft ein. Dies dauerte bis 1.10.1949. Der Gastwirt Georg Löffler war von 1946 bis 1950 Pächter der Gaststätte „Zum Reiherberg“ und bewarb sich im April 1950 um die Gaststätte Kuhfort. Dies wurde im am 31.7.1950 von der Industrie- und Handelskammer des Landes Brandenburg genehmigt. Mit dem Zusammenbruch Deutschlands im April 1945 endete auch die Ära der Gaststätte Kempinski in Kuhfort. Die Sowjetarmee besetzte das Objekt und gab es nach dem Tod von Emma Kempinski am 18.9 1949 frei. Ab 1.10.1949 stand es wieder zur Verfügung. Zu diesem Zeitpunkt war es wieder sinnvoll, mehr Gaststätten aufzumachen. Dies war sicher auch der Hintergrund weshalb die Industrie-und Handelskammer dem Antrag des Gastwirtes Georg Löffler stattgab. Georg Löffler war Flüchtling und leitete von Mai 1946 bis 1949 die Gaststätte „Zum Reiherberg“ in Golm. Von 1950 bis 1955 war Georg Löffler Gastwirt in Kuhfort. In seinem Kündigungsschreiben vom 29.3. 1955 ist im Stempel zu lesen „Park-Gaststätte Kuhfort, Inh. G. Löffler“ und handschriftlich „Parkgaststätte Kempinski“ Zu dem Zeitpunkt war Löffler bereits 74 Jahre alt. Margarete Rottmann erhielt am 30.11. 1955 den Gewerbeschein für die Gaststätte Kuhfort. Sie gab ihr den Namen „Zum Wilden Uhu“. Dieser Name wurde dann weit und breit bekannt. Zu Pfingsten 1961 flüchtete Familie Rottmann in den „Westen“ und die öffentliche Gaststätte schloss. Von diesem Zeitpunkt waren in dem Objekt verschiedene Betriebe mit ihren Ferienlagern untergebracht. Das waren die Betriebsferienlager der Stadtreinigung Potsdam, Das Ferienlager Ilmenau und Berlin Buch. Nach der „Wende“ hatten die Betriebe kein Geld mehr für Kinderferienlager übrig. Der Pachtvertrag mit dem Krankenhaus Berlin Buch wurde gekündigt. Einen neuen Betreiber gab es nicht. Die Rückübertragung an die Erben von Kempinski, die Gebrüder Lauterbach, verzögerte sich. In diesem Zeitraum entwickelte sich das Objekt zu einer Ruine. Fenster wurden eingeworfen und das Innere demoliert. Die beiden oberen Fotos machte ich am 19.1. 1998. Später wurde vieles weiter demoliert. Die Vorstellungen der Erben Lauterbach, dort eine Wohnsiedlung zu errichten wurde abgelehnt. Die Gemeinde Golm äußerte den Wunsch zur Errichtung einer Ausflugsgaststätte wie es vorher auch war. Eine Wohnsiedlung im Außenbereich kam nicht in Frage. Nach vielen unterschiedlichen Versuchen erwarben Karsten Piotrowski und Gerald Emmer das Objekt. Eine große Aufgabe stand bevor. Viel Unrat musste beseitigt werden. Es ist noch nicht endgültig geschafft. Noch wird am Haupthaus restauriert. In den Nebengebäuden im Bereich des alten Eiskellers wurde ein Bistro geschaffen und zu Himmelfahrt 2006 eingeweiht. Neben des Betreibung des Bistros wird durch die beiden Familien das ganze Objekt restauriert.